Gefundene Tapes – aus den 90igern

Es war 1995, Korg brachte seinen ersten virtuell analogen Synthesizer heraus, den Prophecy –leider monophon aber Wahnsinns-Modulationsmöglichkeiten, und er war bezahlbar – er stand vor mir auf dem Tisch, ich drückte eine Taste und es war, als ob ein ganzes Orchester anfängt zu spielen – ganz anders als der dumpfe und ausdruckslose Sound aus den ROMplern und Tischhupen der damaligen Zeit. Für mich war der Prophecy ein beeindruckendes Erlebnis und er passte so garnicht zu den technischen Möglichkeiten, die man üblicherweise, oder die zumindest ich in der heimischen HiFi-Ecke so hatte: Der „Sampler“-ich nutzte damals eine Turtle Beach Maui mit 2MB Sample-RAM, stürzte beim Laden der Dateien ständig ab, an Audio-Sequenzer war noch nicht zu denken, professionelle Sampler schweineteuer und aufgenommen wurde auf Kassetten – ich weiß es nicht mehr genau – aber wahrscheinlich mit einem SKR700. Als Sequenzer nutzte ich damals Cakewalk, denn mit oder in Cakewalk konnte man mittels einer eigenen Scriptspache programmieren. Der Prophecy und Cakewalk meinte ich, waren ein tolles Paar. Mit der „Cakewalk Application Language“ hatte ich die Möglichkeit, jeden Paramter des Ausnahmesynthesizers zu programmieren, ob die damals üblichen Gater-Effekte oder wilde Filterfahrten, die durch Schrauben an den Potis er zu Krampferscheinugen geführt hätten. Neulich fällt mir bei Aufräumarbeiten im Keller ein blasses Tape mit der Aufschrift – „Eigene Kompositionen“ – lach, … in die Hand, und tatsächlich, nach fast vermutlich 15 Jahren waren da gewisse sogenannte Kompositionen vorzufinden, zumindest auf Seite 1, und Korgs Prophecy mittendrin. Seite 2 enthielt Material von Rod Steward und Sting, „I am sailing … etc“, auch nicht schlecht. Ich hätte die Aufnahmen ja gern auch noch stilsicher mit einem Sony-Walkman WM-EX53 (Made in Japan) in die digitale Wolkenwelt geschubst, aber der hat vermutlich seinen Geist aufgegeben, oder er zieht soviel Startstrom, dass handelsübliche Akkus auch nicht mehr ausreichend sind. (Ich habe ja mittlerweile eine Sammlung von gefühlten 100 Netzteilen, vielleicht finde ich ja noch ein passendes…). Habe es dann dennoch geschafft, die Titel zu überspielen, hier sind einige historische Passagen. Viel Vergnügen!

Soundcloud-Gruppe „found tapes“: http://soundcloud.com/groups/found-tapes

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